Dryade

Holz ist weit mehr als nur ein Werkstoff – es ist ein Speicher für Geschichten, Zeit und, wenn man den Mythen der Antike Glauben schenkt, auch für die Seele der Natur. Die Skulptur „Dryade“ ist Daniel Bucurs Hommage an die geheimnisvollen Schutzwesen der Wälder. In der griechischen Mythologie waren Dryaden jene Nymphen, die in Symbiose mit ihren Bäumen lebten: Starb der Baum, so endete auch ihr Dasein.

In diesem Werk scheint Bucur genau jenen Moment eingefangen zu haben, in dem der Geist des Baumes aus der starren Materie hervortritt. Die flügelartige, nach oben strebender Form erinnert an die Sehnsucht nach Freiheit und Licht. Während das untere Ende der Skulptur noch fest in der Erdigkeit des Holzes verwurzelt scheint, entfaltet sich im oberen Teil eine Dynamik, die an zarte Schwingen oder fließende Gewänder erinnert.

Die helle, fast leuchtende Beschaffenheit des Holzes unterstreicht den ätherischen Charakter der Figur. Es ist, als hätte der Künstler die schützende Rinde entfernt, um das Wesenhafte freizulegen. Im Kontext des Boutique Hotel am Stephansplatz, einem Ort der Einkehr inmitten des urbanen Herzens Wiens, fungiert die „Dryade“ als stille Vermittlerin zwischen der materiellen Welt und dem Unsichtbaren. Sie lädt den Betrachter dazu ein, das Holz nicht nur als Oberfläche zu sehen, sondern als lebendiges Monument, das eine Seele in sich trägt. Ein Werk, das zum Innehalten zwingt und uns daran erinnert, dass wir Teil einer belebten, schützenswerten Natur sind.

Ähnliche Artikel

Echtheit

Schönheit braucht nicht immer Politur. In der Skulptur „Echtheit“ setzt Daniel Bucur ein klares Zeichen gegen die Perfektion des Glatten. Die raue Beschaffenheit ist hier kein Zufall der Natur, sondern das Ergebnis gewollter Grobheit. Durch gezielte, kraftvolle Bearbeitung bricht der Künstler die Oberfläche auf, um die ehrliche und unverfälschte Materie des Holzes freizulegen.

Das Werk thematisiert die Energie des Widerständigen. Jede Einkerbung und jede grobe Struktur ist eine bewusste Entscheidung, die den Charakter des Stammes betont, statt ihn zu kaschieren. Diese Form der „Echtheit“ erinnert daran, dass Charakter oft erst durch Ecken und Kanten sichtbar wird. Die Skulptur strahlt eine massive Präsenz aus und fordert dazu auf, die Ästhetik des Unverfälschten und die künstlerische Kraft des Unbequemen zu würdigen.

Weiterlesen

Rote Skulptur mit zerklüfteter Oberfläche.

Roter Blitz

Der Rote Blitz erzählt eine spannende Geschichte. Denn vor der Hauptschule in Gols stand einmal eine alte Pappel. In einer stürmischen Gewitternacht schlug ein Blitz den Baum entzwei.

Wie eine offene Wunde ragten die zerfetzten Fasern aus dem gespaltenen Baum hervor, und Daniel Bucur erkannte sofort das Potenzial des von den Naturgewalten zerstörten Baumes. Die Form beließ er als Mahnmal an die Urkraft eines Gewitters. Die Farbe Rot konservierte die optische Kraft des Blitzes.

Auf einen Sockel gestellt, ging die Skulptu dann auf eine Ausstellung in die Mole West in Neusiedl am See. Dieses tiefe Rot war es denn auch, das den Blitz ein zweites Mal einschlagen ließ. Es war diese Skulptur, die das Hotel am Stephansplatz erstmalig auf den Künstler Daniel Bucur aufmerksam machte. Die Skulptur bahnte sich ihren Weg nach Wien und steht seit 2005 mitten im Herzen der Stadt, in der Empfangshalle des Hotels am Stephansplatz. Hier glüht der Rote Blitz in der geheimnisvollen Atmosphäre der Lounge mit ihren Hinterleuchtungen, Lichtakzenten und Spiegelungen. Seine raue Form steht im Kontrast zum matten Schwarzglas und den weichen Lederflächen des Raums, durch die Positionierung unter einem ehemaligen Feuerwehrschacht kann er seine vertikale Energie nun bis unters Dach ausströmen.

Weiterlesen

In Verbindung

Im Zentrum dieser Skulptur steht die Fragilität der Verbindung. Massiv und doch zart. Der Künstler versteht es, Gegensätze zu vereinen.

In der Mitte des länglichen, massiven Holzblockes einer alten Linde befindet sich ein Fenster. Als Kontrast zum hellen Holz wurde die äußere Kontur dunkel gebeizt. Die intensive Farbgebung des „Außen“ lenkt den Blick nach innen auf das Wesentliche. Zwei Fäden kreuzen einander scheinbar, bei näherer Betrachtung umgehen sie einander jedoch gekonnt am engsten Punkt und vermeiden so eine Berührung. Das erzeugt zugleich Spannung und Fragilität. Denn bei niedrigen Temperaturen schrumpft das Material, die beiden Fäden berühren einander beinahe. Steigt die Temperatur entfernen sie sich voneinander.

Dieser Prozess währt ewig, er ist langsam, aber stetig und strahlt eine magische Ruhe der Gegensätze aus. Es lohnt sich, jedes Mal, wenn man vorbeigeht, einen Blick darauf zu werfen.

Weiterlesen