Zuneigung
In der Sprache der Kunst gibt es Gesten, die keiner Worte bedürfen. Die Skulptur „Zuneigung“ ist eine solche Geste – eingefangen in der lebendigen Struktur des Holzes. Daniel Bucur thematisiert hier das sanfte sich-Öffnen und das achtsame Entgegenkommen. Während die Natur das Holz oft zur Wehrhaftigkeit und Starre erzieht, bricht der Künstler diese Härte auf und verleiht dem Material eine fast menschliche Wärme.
Die Form der Skulptur zeichnet sich durch eine fließende Wölbung aus, die den Eindruck von Weichheit erzeugt. Es ist, als würde sich das Holz unter einer unsichtbaren Hand sacht neigen, ähnlich wie wir uns einem geliebten Menschen zuwenden. Diese bewusste Kurve bricht mit der strengen Vertikalen und schafft eine Atmosphäre von Vertrauen und Harmonie. Bucur spielt hier meisterhaft mit der Maserung: Die Linien des Holzes folgen der Biegung wie sanfte Wellen, was die Dynamik der „Zuneigung“ unterstreicht.
Die Oberfläche wurde in einem aufwendigen Prozess geschliffen und veredelt, bis sie eine haptische Qualität erreicht, die zum Berühren einlädt. In der Hektik des Alltags, die vor den Türen des Hotels am Stephansplatz pulsiert, bildet dieses Werk einen Ruhepol. Es erinnert den Betrachter daran, dass wahre Stärke oft in der Empathie und der Hinwendung liegt. „Zuneigung“ ist eine Hommage an die feinen Zwischentöne des Lebens und lädt den Gast dazu ein, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und die Schönheit der sanften Töne zu genießen. Ein Kunstwerk, das den Raum nicht nur optisch, sondern auch emotional wärmt.